Rafiki za Tanzania
 
Verein zur Förderung der interkulturellen Kommunikation, Bildung und Gesundheit e.V.
 

Was wir wollen...

Warum gerade Freunde Tanzanias, werden Sie vielleicht fragen.

Das heutige Tanzania war, wie andere afrikanische Gebiete auch – z.B. in Burundi, Ruanda, Togo, Kamerun oder Namibia –, während der Jahre 1884 bis 1918 deutsche Kolonie. Deutsche Missionare waren bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts am Kilimanjaro und anderswo tätig. Nach der Unabhängigkeit der Staaten Afrikas – Tanzania wurde 1961 unabhängig, 1964 ging es die Union mit Zanzibar ein – sind nicht nur eine Vielzahl von partnerschaftlichen Verbindungen geblieben oder neu entstanden, geblieben ist auch eine Verantwortung für das, was Menschen unter Fremdherrschaft erfahren und erleiden mussten.

So wollen wir, wie außer uns sicher andere Vereine und Organisationen auch, mit der finanziellen Unterstützung im Bildungs- und Gesundheitsbereich in Tanzania nicht nur einen Beitrag zu einer weltweit gerechteren Verteilung von Bildungs- und Lebenschancen leisten, sondern auch die historische Schuld ernst nehmen, die Deutschland und andere Nationen auf sich geladen haben, als sie koloniales Unrecht in die Welt brachten. Allerdings zerstören eine ungerechte Weltwirtschaftsordnung und beispielsweise EU-Agrarsubventionen, die Importware billiger machen als einheimische Produkte, bis heute viele eigene Bemühungen und Hoffnungen der Menschen Afrikas auf ein besseres Leben. Die Menschen dieser Länder und ihre Schicksale gehen uns deshalb besonders an. Wir wollen, dass junge Menschen die Chance haben, im eigenen Land ein menschenwürdiges und freies Leben zu führen, dass sie Bildung genießen und dadurch an der Entwicklung ihrer Gesellschaften mitwirken können – was zugleich einer fortschreitenden Entwurzelung der Menschheit entgegenwirkt.

Darüber hinaus dient der interkulturelle Austausch hier wie dort dem Kennenlernen anderer Lebenssituationen und dem besseren Verständnis füreinander und für die Unterschiede – überall auf der Welt; und das kann in der heutigen Realität hybrider Gesellschaften auch in unserer unmittelbaren Nachbarschaft sein. Sprechen Sie mit Ihren Mitbürgerinnen und Mitbürgern, machen Sie sich bekannt! Wo immer möglich, wollen wir ein gesundes Miteinander der Menschen durch eigene Veranstaltungen oder Beteiligungen an Veranstaltungen Dritter fördern.

Vor allem mit unserem Projekt Gemeinsam für Eine Welt und durch das Engagement von Kindern und Jugendlichen in Deutschland für Kinder und Jugendliche in einem so genannten Entwicklungsland wollen wir ein besseres Verständnis für das jeweils Andere, das Fremde erreichen. Und das gilt gleichermaßen für beide Seiten: Durch den direkten Kontakt erhalten nicht nur Schülerinnen und Schüler bei uns ein authentisches Bild vom Leben in einem afrikanischen Land, auch ihre Gegenüber in Tanzania bekommen direkte Antworten auf ihre Fragen danach, wie denn das Leben in Deutschland wirklich aussieht.

Das Kennenlernen völlig anderer Lebensumstände ermöglicht eine tolerantere Einstellung und anerkennende Haltung gegenüber allem vom Mainstream Abweichenden – kann also bei Kindern und Jugendlichen Rassismus und daraus resultierender Gewalt vorbeugen oder entgegenwirken! Wir werben um mehr Verständnis für die Unterschiede, sowohl in der Lebensweise als auch im Denken und Handeln.
 

Viele Wege führen zum Ziel – sie können alle “richtig” sein!

 

Hinweis: Im Stadtbild Hannovers gibt es Spuren deutscher Kolonialgeschichte – und es gibt Möglichkeiten, diese für ein größeres Wissen darüber in der Gesellschaft zu nutzen. Lesen Sie dazu bitte den hier herunterzuladenden Aufsatz. Dafür bitten wir um eine freiwillige Spende an den Verein.

 

Informationen zur Kolonialgeschichte

Am 2. März 1900 wurde Mangi Meli, Sohn des Mangi Rindi, Chief im Land der Wachagga am Kilimanjaro, zusammen mit anderen in Old Moshi gehängt. Die deutsche Kolonialmacht hatte dort eine Festung. In Kidia weiter oben befand sich die Missionsstation, in der zur selben Zeit der deutsche Missionar Bruno Gutmann gewirkt hat. Heute befindet sich in Old Moshi ein kleines Museum. Auf der Gedenktafel am Mahnmal dort sind die Namen aller an demselben Tag Gehängten verzeichnet. Der Schädel von Mangi Meli ist bis heute nicht an die Wachagga zurückgegeben worden.







 

Buchtipp: Yaa Gyasi, Heimkehren

Die 1989 in den USA geborene Yaa Gyasi hat einen Roman verfasst, der so an allen Orten, an denen schwarze Menschen unterdrückt, versklavt und verschifft wurden, geschrieben werden könnte - also auch in Tanzania, Tanganyika und auf Zanzibar! Über viele Generationen hinweg beschreibt die Autorin anhand der Schicksale zweier Frauen und deren Nachfahren die Geschichte der Völker der Asante und der Fante von der sog. Goldküste, dem heutigen Ghana, bis in die heutige Zeit des Alltags und seiner Realität hinein.

Wenn man wie wir die Welt ein klein wenig verändern will, dann kann der gute Wille, für eine Welt ohne Rassismus einzustehen, Rassismus aufgrund von Hautfarbe oder anderen vermeintlich gerechtfertigten Kriterien, nach der Lektüre dieses Buches nur wachsen. Es sollte auch in Schulen gelesen werden. Unbedingt. Muten wir uns etwas zu! Es hat mich erschüttert, obwohl ich nicht ohne Kenntnis der Fakten bin. Diese Erschütterung lohnt sich. (Karin Dunse, März 2024)

 

Buchtipp: Helmut Bley, Afrika: Welten und Geschichten aus dreihundert Jahren

Aus der Fülle wissenschaftlicher Literatur ist das Buch des hannoverschen Historikers Helmut Bley, Afrika: Welten und Geschichten aus dreihundert Jahren, De Gruyter Oldenbourg Verlag, Berlin 2021, besonders hervorzuheben, denn es erzählt auch mehr als die bloßen Fakten.

Klappentext: Helmut Bley konzipiert die afrikanische Geschichte als Agrar- und Sozialgeschichte. Die Großregionen Afrikas werden in ihrem historischen Kontext und ihrer Dynamik von der vorkolonialen Zeit seit 1800 dargestellt. Um Anschaulichkeit zu gewährleisten, werden in die Schilderung der Regionen Geschichten von einzelnen Personen, Dörfern und Städten sowie Ethnien exemplarisch eingebettet. Im systematischen Teil analysiert Bley die Gewaltverhältnisse vor, während und nach der Kolonialherrschaft, außerdem die Grundstrukturen der Ökonomie, insbesondere in der Periode der Weltwirtschaftskrisen 1920-1922, 1929-1938 und 1966. Analysen afrikanischer Autoren werden dabei vorgestellt und mit Gesamtdeutungen zu Afrika in der Weltgeschichte verknüpft.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.11.2021: Interessiert resümiert der hier rezensierende Afrika-Historiker Andreas Eckert zunächst den Inhalt dieses Buches von Helmut Bley. Der 86jährige Historiker sammele hier Einsichten, die er über Afrikas jüngere Geschichte gewinnen konnte, begonnen bei der vorkolonialen Periode seit dem 18. Jahrhundert, erklärt der Rezensent. Seine Schwerpunkte setze Bley entgegen des Trends nicht auf postkoloniale Ansätze, erkennt Eckert. Auch wenn sich Bley vor allem auf Debatten der Siebziger- bis Neunzigerjahre konzentriere, lobt der Rezensent die Komplexität dieses Werks, das in den aktuellen (Kolonialismus-)Debatten vielleicht einen weitsichtigeren Diskurs ermöglichen könnte.